Joan of Arc


Lena Henke, Frankfurt/New York  

Auszug aus dem Text der Verfasser*innen:

Meine Edelstahl Skulptur „Joan of Arc“ verweist auf die bestehende Stadtarchitektur Düsseldorfs und spiegelt sie im kleineren Maßstab wieder. Die Brust lehnt sich an klassische Stadtsymbole wie Brücken und Rundbögen des 20. Jahrhunderts an und ich kontrolliere die urbane „Architektur“, in dem ich die Brust, die organische Form des Körpers, abstrahiere und in eine psychologische Raumkonstellation Stadt – Land – Fluss setze. Durch die Manipulation von Maßstab, Material und Komposition enthüllt die Arbeit je nach Position der Betrachter*in verschiedene Aspekte ihres figurativen Inhalts und wird so zu einem Symbol der Stadt. Sie erscheint teils als klassischer abstrakter Umriss zweier silberner Brückenbögen, teils als stilisierte, nach oben zeigenden Brüste.

Die nährenden, zum Himmel hinzeigenden Brüste werden zum Symbol der Weiblichkeit. Die „Brustböge“ sollen ein symbolischer Brückenschlag sein, eine Metapher der Zeit, des Wachsens, des Schutzes.

Mehrere verschieden große Sitz-Sättel, die anstelle von und zusätzlich zu den dort üblichen Parkbänken installiert werden, laden zum Verweilen ein. In unterschiedlichen Größen und Formen ahmen sie skulpturale Serien meiner Arbeit nach, bei denen ich Reitsättel in Fiberglas abgegossen habe. Die organischen Formen der Sättel verbinden sich in den neuen einzelnen Skulpturen mit den architektonischen Bauten. In Zement gegossen spiegelt jeder Sitz einen Zeitraum der Architekturgeschichte wieder und unterstreicht so den Faktor Zeit; die Verkörperung anderer Identitäten waren schon seit dem Kaiserreich bekannt. Von der griechischen Antike über die Gotik, bis hin zur Moderne spiegeln die Formen der Sitzskulpturen ihre jeweilige Bauzeit wieder. Die auf- und angesetzten Sättel verwandeln/morphen die kantigen Formen der Bauten in ein organisches Volumen und lassen Interpretationen des Sitzens, des Reitens, des „auf den Schoss Nehmens“ zu, und erzeugen das Gefühl von Schutz und Behütung. Gewollt ist aber auch der Aspekt des Sexuellen in der Arbeit, denn niemand sollte für seine sexuelle Orientierung bestraft werden. Jede Skulptur steht für sich, da in jedem “Sitz“ eine architektonische Bauweise mit einer anderen Sattelart kombiniert wird. Das locker angeordnete Ensemble lässt sich in alle Blickrichtungen als Sitzgelegenheit nutzen und ermöglicht auf diese Weise interaktive Momente. Oder es lässt den Blick durch die »Brustbögen« über die Weite des Rheins zu. Ein überdimensionaler Schirm schützt Teile des neugeschaffenen Raums vor Regen.

Als permanenten Standort der Installation wähle ich das mittlere Rheinufer, genauer gesagt einen Ort auf dem Uferweg hinter der Rheintreppe auf der Höhe des Eiscafés 'ShoPoint', direkt über dem Burgplatz 29. Die Skulptur wird so zwischen den Bäumen am Rheinufer installiert, dass die Bewegungsfreiheit für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen nicht eingeschränkt wird. Die Brustbögen ragen über die Baumwipfel der in das Ensemble integrierten Platanen. Damit setzen die Bögen im Winter einen farbigen Akzent, durchbrechen das klare Design wie auch die Beleuchtung und Bepflanzung des Ufers.

Zwischen der Rheinkniebrücke und der Oberkasseler Brücke beleuchten circa 180 weiße Kugellaternen den Gehweg. Die farbliche Änderung von zwei dieser am Ufer stehenden Lampen – von Weiß zu Lila – wird zusätzlich die Konformität des Ortes unterbrechen. Jeweils links und rechts der Installation werden diese zwei von weiten sichtbaren Lampen die Installation wie zwei Anführungszeichen akzentuieren.



 



Begründung der Jury aus der Sitzung vom 26. November 2019

Der bizarr verspielte Ansatz des Entwurfs "Joan of Arc" hat zunächst begeistert und diesen in die 2.Phase des Wettbewerbs gebracht. Die in der 1.Phase entstandenen Fragen blieben leider weitestgehend unbeantwortet. Die Überarbeitung konnte nicht überzeugen, ungeklärt blieben Fragen der Ausführung, z.B. die ästhetische Umsetzung der Brustbögen als Edelstahl-Skulptur, die sich in der Modellästhetik nicht finden lässt, die fehlende Bemaßung und auch die recht undeutlich visualisierte, neue Version der Bestuhlung überzeugt nicht.