I LOOK AT A GUY WHO LOOKS AT A GIRL SAME SHAME


Jens Pecho, Köln

Auszug aus dem Text der Verfasser*innen:

1.) Der Satz I LOOK AT A GUY* WHO LOOKS AT A GIRL* ist in Form von steinernen Buchstaben in einem spitz zulaufenden Winkel in das Pflaster am Burgplatz eingelassen. Die knapp gehaltene Aus-sage schildert eine Begebenheit, die ich selbst bei der Begehung der Promenade erlebte. Die flüchtigen Blickachsen, die sich in der beschriebenen Konstellation für Bruchteile von Sekunden zusammen-fügten, werden durch die Arbeit festgehalten und in den Stadtraum eingeschrieben. Die Verwendung von steinernen Buchstaben, die mit weißer Straßensignalfarbe überzogen sind, ist dem appellativen Charakter der Arbeit sowie dem städtischen Boden als medialem Trägermaterial angepasst.

Die verschiedenen Konnotationen, die der auf seine grundlegenden sprachlichen Elemente herunter- gebrochene Sachverhalt annehmen kann, sind bewusst offen gehalten. Die naheliegendste Lesart ist, dass hier von einem begehrlichen, bei Kenntnis der Autorenschaft homoerotischen, Blick die Rede ist, der durch das Gegenüber nicht erwidert wird, weil dieses eine andere Person im Auge hat. Die Blickkonstellation ist fixiert, während die flanierenden Passant*innen, welche zufällig nahe den An-fangs- und Endpunkten beider Satzteile vorübergehen, immer neue Variablen in die Szene einbringen. Jede*r Betrachter*in versetzt sich beim Lesen in die Rolle des lyrischen Ichs: Die Frage „Wer macht wen (wenn überhaupt) durch einen Blick zum Objekt der eigenen Wünsche?“ wird somit zu einem kontextbedingten Spiel. Das reduzierte Vokabular des Satzes wird durch die Diversität der Spazier-gänger*innen an die Grenze der Aussagefähigkeit gebracht. Die selbstverständlich klingenden Worte werden so in ihrer Bedeutung brüchig und in ihrer Funktion als situativ zu füllende Platzhalter neu gelesen.

2.) Queeres Leben ging stets auch mit der Umdeutung und positiven Neudefinition randständiger Orte einher. Die Unterführung unterhalb der Rheinkniebrücke ist ein solcher Ort. Tags, Graffiti und mit pubertären Inhalten befasste Zeichnungen zieren die Wände. Skater*innen und allgemein Jugend-liche kommen hier abends zusammen, um sich auszutauschen. Die von mir entworfene Soundinstallation SAME SHAME soll bewusst keinen Versuch darstellen diesen Treffpunkt zu übernehmen, sondern ein Angebot für seine Nutzer*innen sein. Im Zentrum der Intervention steht eine großformatige Leuchtschrift, die am Brückenpfeiler installiert ist. Es handelt sich um das Wort „SHAME“ und ein aus bunten Streifen zusammengesetztes Dreieck, welches leicht als eine Anspielung auf die Regenbogenfahne sowie den von der Schwulenbewegung appropriierten „Rosa Winkel“ verstanden werden kann. Tatsächlich handelt es sich aber um eine Übernahme des im Internet viral gegangenen Diagramms „Hierarchy of Disagreement“ des Autors Paul Graham. Der 2008 von Graham publizierte Essay „How to Disagree?“ wurde zu einer weg- weisenden Schrift im Rahmen der Debatte um gewaltfreie Gesprächskultur in Onlineforen. In Kom-bination mit dem Schriftzug wirkt das bunte Dreieck wie ein Logo. Einzig der Buchstabe „H“ ist von einem dysfunktionalen Flackern befallen, wodurch immer wieder ein Wechsel zwischen den Worten „SHAME“ und „SAME“ vollzogen wird.



 



Begründung der Jury aus der Sitzung vom 26. November 2019

Der künstlerische Vorschlag 2053 entwirft eine Bodeninschrift mit dem Satz "I LOOK AT A GUY WHO LOOKS AT A GIRL", die großflächig auf dem Burgplatz installiert wird, sowie einen Leuchtkasten mit der Soundinstallation "SAME SHAME". Der Vorschlag fand zunächst bei einem Großteil der Jurymitglieder Zuspruch.
Aufgrund zahlreicher wechselnder Veranstaltungen und temporärer Bauten auf dem Burgplatz, nahmen im Laufe der Diskussion Zweifel an der Sichtbarkeit der Arbeit zu. Auch das Statement "I LOOK AT A GUY WHO LOOKS AT A GIRL" und die Licht- und Soundinstallation konnten die Jury nicht ausreichend als Arbeit für das LSBT* Denkmal in Düsseldorf begeistern.