Die Farbe Rot


Flora Hitzing,  Düsseldorf

Auszug aus dem Text der Verfasser*innen:

Farbe:

Der Ort für die Erinnerung und Akzeptanz von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt will scheinbar Un-fassbares und Gegensätzliches vereinen: zum einen will er auf einer Flaniermeile dem Gedenken an die Opfer von Diskriminierung, Gewalt und Verfolgung in Geschichte und Gegenwart einen angemessenen Raum geben. Zum anderen will er Lust und Liebe, das Begehren zwischen Menschen aus den privaten Räumen heraus in die Öffentlichkeit einer von Emanzipation, aber auch von Schnelllebigkeit und Polarisie-rung geprägten Gesellschaft tragen.
Es ist die Farbe Rot, die genau diese Komplexität menschlichen Seins verbildlicht und erfahrbar machen kann. Die Symbolik von Rot entwickelt sich aus der affektiven Wirkung dieser Farbe. Rot wird in jeder Kultur mit schicksalhaften Vorgängen des Lebens, wie z. B. Geburt, Verwundung, Krieg in Verbindung ge-bracht und ist symbolisch tief im Unterbewußtsein verankert. Gefühle, die das Blut in Wallung versetzen, wie z.B. Liebe, Haß, Ausgelassenheit, Leidenschaft, Wut und Ärger werden mit der Farbe Rot assoziiert. Rot ist Ausdruck von Vitalität, Energie, Aktivität, Entschlossenheit, Mut, Fruchtbarkeit und Sexualität und steht für das Warme im Menschen ähnlich wie das glühende Rot im Erdinneren. Rot ist auch die Farbe von Signalen, Aggressivität, Macht, Expansion und Autonomie. Ein Rot der Hingabe und der Liebe unter-scheidet sich von einem Rot der Aggression und der Gewalt. (aus Farben, Franz Immoos, 2009)
Der Ort setzt sich aus 4 Rottönen zusammen: dunkelrot, hellrot, pink und altrosa
Während das dunkle Rot und das helle Rot dieses dynamische Spannungsfeld von gegensätzlichen und sich einander bedingenden Polen erzeugen, entfaltet das Pink seine besondere Leichtigkeit, seine opti-mistische Leuchtkraft und heiter strahlende Künstlichkeit. Rosa verbinden wir mit zarten Gefühlen und Lieblichkeit.

Form:
Der Ort beruht auf der Form eines Tetraeders (sokratischer Körper aus 4 gleichseitigen Dreiecken). Jede der 3 Seitenwände bekommt einen anderen Rotton: dunkelrot, pink, hellrot. Durch die Verkürzung der Grundseiten dieser Seitenwände werden die 3 Ecken des Tetraeders geöffnet, so dass Eingänge von einem Meter Breite entstehen und der Ort begehbar und auch von Innen erfahrbar ist.
Das begehbare Fundament wird aus altrosa eingefärbtem Beton gegossen und hat die Form eines gleich-seitigen Dreiecks, das Assoziationen zum rosa Winkel entstehen lässt. 

Material:
Für das Tetraeder wird eine von Innen begehbare Metallkonstruktion gebaut und im altrosa eingefärbe-tem Betonfundament verankert.
Die 3 Seitenwände werden aus transluzentem Glas hergestellt. Pro Seite werden 16 dreieckige Glas-elemente in die dezenten Stahlrahmen der Metallkonstruktion eingesetzt und linienförmig gehalten. Die Glaselemente bestehen aus 12 mm Verbundsicherheitsglas TVG. Witterungsbeständig und geschützt liegt zwischen diesen Scheiben der malerische Farbauftrag der Rottöne. Mit einem Airbrushverfahren werden Glasschmelzfarben auf die Scheiben aufgetragen und im Ofen eingebrannt. Dadurch entsteht eine leben-dige, naturhafte und warme Anmutung ähnlich wie bei Aquarellfarben. Die Glaswände sind transluzent, jedoch nicht transparent. 

Licht:
Es entsteht ein stimmungsvoller Ort, der sich mit dem tages- und jahreszeitenabhängigen Licht wandelt. Die Materialsprache des lichtdurchlässigen Glases und die Wirkung der malerischen Farbflächen rufen faszinierende Überlagerungen von Farben und Schattenwürfen hervor.

 



 



Begründung der Jury aus der Sitzung vom 10. September 2019

„Die Farbe Rot“ stellt einen gläsernen Tetraeder in den Mittelpunkt der Installation, dessen drei Seitenwände jeweils einen anderen Rotton haben: dunkelrot, pink und hellrot. Die Jury lobt die Leichtigkeit des Entwurfs und dessen hohe Signalwirkung. Der Ort am Apolloplatz ist als lebendiger Ort am Rheinufer gut gewählt, die Begehbarkeit des Tetraeders und der dadurch entstehende intime Raum in der Öffentlichkeit, wird von Mitgliedern der Kommission ausdrücklich gelobt. In der Assoziation zum „Rosa Winkel“ beschränkt sich der Entwurf jedoch inhaltlich nach Ansicht der Kommission zu sehr auf die Verfolgung von Männern in der NS-Zeit und erfüllt damit nicht die Aufgabe des Wettbewerbs. Kritisch wird angemerkt, dass Glasarbeiten im öffentlichen Raum besonders anfällig für Vandalismus sind.